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Der SV "Werder" Bremen verdankt seine Gründung einem Zufall. Einige
Schüler einer Bremer Realschule gewannen im Jahre 1898 bei einem
Sportwettbewerb ein Sportgerät, das damals noch relativ unbekannt war:
einen Fußball. Sie zogen mit ihm los auf den Stadtwerder nahe der Weser
und probierten aus, wie das wohl gehen könnte: Fußball spielen.
Es machte ihnen so viel Spaß, dass sie mehr
daraus machen wollten. So gründeten Sie am 4. Februar 1899 auf der
Veranda des Restaurants "Zum Kuhhirten" einen neuen Sportverein und
nannten ihn "Fußball-Verein ‚Werder' Bremen von 1899", wobei das Wort
"Werder" für die Landschaft stand, in der sie spielten: Es bezeichnet
nämlich Land, das von einem Fluss aufgeschwemmt wurde, wie der
"Stadtwerder" gegenüber dem heutigen Weser-Stadion.
Es gab schon vor ihnen in Bremen
Fußballvereine, aber dies waren noch die Gründerjahre des Fußballs. So
kam es auch erst einige Monate später zu einem ersten "Wettspiel", bei
dem die Werderaner erstmals auf eine gegnerische Mannschaft trafen - und
gleich gewinnen konnten, wenn auch nur sehr knapp. Von da an nahm die
Entwicklung des Vereins einen äußerst positiven Verlauf, von dem viele
Impulse für den Fußball in Bremen insgesamt ausgingen.
Im Jahre 1903 wurde der FV "Werder" Bremen
erstmals Bremer Meister, gleich in allen drei damals ausgespielten
Klassen. 1905 wagten die Ur-Werderaner es als erste in Bremen, von den
Zuschauern Eintrittsgeld zu kassieren und den Platz abzuschirmen. 1907
spielten sie gegen den Deutschen Meister des Vorjahres - den VfB Leipzig
- und verloren nur knapp. Pfingsten 1909 luden sie eine englische
Profimannschaft nach Bremen ein und sorgten damit für eine beispiellose
Sensation. 1912 konnte sich der FV "Werder" Bremen als einziger Bremer
Verein für die neue Liga des Norddeutschen Fußballverbandes
qualifizieren.
Und auch in der Zeit des Ersten Weltkrieges
hielten die Werderaner ihren Sportbetrieb aufrecht. Trotz aller Not
wurden sie 1916 wieder Bremer Meister und am Ende des Ersten Weltkrieges
gab es den FV "Werder" Bremen immer noch, im Unterschied zu vielen
anderen Vereinen.
Einen großen Anteil daran hatte Hans Jaburg,
nach diesem Krieg der erste "Manager" des Vereins. Sportlich sorgte die
Familie Lutter - vor allem Joseph - für Erfolge, neben Hermann
Schlengemann, Otto Trennert und natürlich vielen anderen.
Aber es gab auch Rückschläge: Viele
Werderaner der Gründungszeit starben im Ersten Weltkrieg. Und als der
Verein seinen eigenen Platz im Bremer Stadtteil Huckelriede mit einer
respektablen Tribüne ausstattete, stürzte er sich so in Schulden, dass
er daran fast zerbrochen wäre.

Gleich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gingen die Werderaner daran,
ihren Verein zu verändern. Aus dem Fußballverein der ersten beiden
Jahrzehnte wurde nun mit Macht ein allgemeiner, großer Sportverein
geschmiedet, aber aus eigener Kraft, nicht durch den Zusammenschluss mit
anderen, wie es sonst in dieser Zeit häufig geschah.
Der Name wurde 1920 in "Sport-Verein ‚Werder' Bremen von 1899" geändert
und eine Vielzahl neuer Abteilungen wurde gegründet: Tennis, Schach,
Cricket, Leichtathletik und noch andere mehr. Die Mitgliederzahl reichte
zeitweise über 1.000, gegenüber höchstens gut 300 vor dem Ersten
Weltkrieg.
Aber die wichtigste Sportart blieb der Fußball, und auch hier tat sich
Revolutionäres: Als erster Verein in Bremen holte der SV "Werder" 1922
einen professionellen, bezahlten Trainer. Er hieß Franz Konya und kam
aus Ungarn. Seine Arbeit lohnte sich für den Verein, obwohl er nicht
lange blieb. Der SV "Werder" war in den Jahren der Weimarer Republik
ununterbrochen in der Verbandsliga unter den Besten, aber die Dominanz
der Hamburger Großvereine im Fußball verhinderte mehr.
Aber immerhin war Werders Erste Mannschaft gut genug, um zum Beispiel
1924 gegen den mehrmaligen Meister jener Jahre, den 1. FC Nürnberg, nur
knapp mit 0:1 zu verlieren, oder 1927 gegen den ebenfalls mehrmaligen
Meister HSV ein 0:0 zu erzwingen. 1928 unterlag der SV "Werder" der
amerikanischen Olympiamannschaft knapp mit 2:3, die Olympiaauswahl
Estlands konnte 1924 mit 2:1 besiegt werden.
Der gesamte Spielbetrieb jener Zeit wurde von Amateuren getragen. Als
aber immer deutlicher wurde, dass die Entwicklung im Fußball auf eine
Professionalisierung und Gründung einer Art "Reichsliga" hinauslief, zog
der SV "Werder" die Konsequenz und verstärkte die Erste Mannschaft mit
zahlreichen Nationalspielern. So kam es, dass 1934 mit Matthias
Heidemann erstmals ein Werderaner an einer Fußball-Weltmeisterschaft
teilnahm und dass der SV Werder in den 1930er und 1940er Jahren
regelmäßig gegen die Besten um die Deutsche Meisterschaft spielte.
Hinter diesen Erfolgen stand mit Walter Hollstein ein damals
überragender Trainer und viele Spieler, deren Namen zum Teil noch heute
bekannt sind: Ziolkewitz, Tibulski, Scharmann, Hundt und viele andere.
Einige Spieler kamen zum SV "Werder", weil sie als Soldaten in Bremen
stationiert waren. Denn die ersten ganz großen nationalen Erfolge errang
der SV "Werder" in diesen Jahren des Nationalsozialismus und des Zweiten
Weltkrieges. Gemessen an den Platzierungen im Pokalwettbewerb und in der
Meisterschaft war das Kriegsjahr 1942 das bis dahin erfolgreichste in
der Geschichte des SV "Werder".
Das bedeutete natürlich auch, dass die Werderaner jener Zeit sich den
politischen Bedingungen gefügt haben. So gab es zum Beispiel keinen
Vorsitzenden im Verein, sondern einen "Vereinsführer"... Und mit dem
Zusammenbruch des Tausendjährigen Reichs war auch die Geschichte des SV
"Werder" zu Ende - aber nur für eine kurze Zeit.

Trotz aller Not haben die Werderaner, die den Zweiten Weltkrieg überlebt
haben, nur ein Jahr gebraucht, bis es den SV "Werder" wieder gab. Sie
trafen sich heimlich in den Trümmern des zerstörten Bremen. Vor allem
der spätere Geschäftsführer Hansi Wolff, Abbi Drewes, Richard Oßenkop
und andere wollten so schnell wie möglich wieder als Werderaner Sport
treiben. Aber das durften sie nicht, weil der SV "Werder" von den
Siegermächten zu den verbotenen Vereinen gezählt wurde - wie alle
anderen auch, die zur Zeit des Nationalsozialismus in den Organisationen
des faschistischen Deutschland existiert hatten.
Also mussten sie Umwege gehen: Sie beteiligten sich am 10. November 1945
an der Gründung einer Sportgemeinschaft mit dem Namen "Turn- und
Sportverein Werder von 1945", im Februar 1946 mussten sie den Namen in
"Sport-Verein Grün-Weiß von 1899" ändern, aber schon einen Monat später
durften die Werderaner wieder unter dem alten, traditionsreichen Namen
auftreten.
Diese Zeit des Neuanfangs war zugleich die einzige Phase in der
Vereinsgeschichte, in der eine zweite Sportart neben dem Fußball das
Bild von Werder prägte: Die Leichtathleten, und hier vor allem die
Frauen, sorgten mit zahlreichen Meisterschaften und Rekorden für
Aufsehen. Marga Petersen war Deutsche Meisterin über 100m in Serie, die
4x100m-Staffel der Frauen - Petersen, Helga Kluge, Hannelore Mikos und
Lena Stumpf - ebenfalls. Dazu kamen noch bei den Männern Karl Kluge,
Fritz Wever, Kurt Bonah und viele andere.
Fußball wurde nach dem Krieg in der regional aufgeteilten "Oberliga"
gespielt. Werder traf auf Mannschaften wie St. Pauli, Oldenburg,
Hannover 96, den VFL Osnabrück und andere. Zwei Gegner sorgten in Bremen
immer für ein randvolles Weser-Stadion: Der HSV, weil er als großer
Favorit mit berühmten Spielern kam, und der BSV aus Bremen, weil er auch
in der Oberliga Nord spielte. So konnte man in jener Zeit ein echtes
Bremer Derby erleben.
Für Werder spielten dabei Fußballer wie Richard Ackerschott, Dragomir
Ilic, Willi Schröder, Horst Gernhard, Max Lorenz, Pico Schütz, Horst
Stange.
Alle Spieler waren aber noch immer keine Berufssportler, sondern
"Vertragsspieler". Sie durften neben einem Hauptberuf bis zu 320 DM als
Fußballer verdienen. Weil die meisten Spieler in der Bremer Tabakfabrik
Brinkmann arbeiteten, wurde Werders erste Mannschaft nach einer
bekannten Zigarettenmarke auch "Texas-Elf" genannt.
So war Werder immer unter den Führenden in der Oberliga, aber auch ein
wenig launisch: Häufig wurden die Großen geschlagen, und gegen die
Kleinen setzte es Niederlagen; Werder war die "Sphinx des Nordens".
Trotzdem, als es zu Beginn der 1960er Jahre um die Einführung der
Bundesliga ging, war Werder ein ganz sicherer Kandidat.
Aber der erste ganz große Erfolg gelang noch in der Zeit der Oberliga:
der DFB-Pokal ging 1961 an die Weser. Am 13. September 1961 besiegte
Werder im Finale den 1. FC Kaiserslautern mit 2:0. Das Finale fand in
der Gelsenkirchener "Glückauf-Kampfbahn" statt, die Tore hatten Schröder
und Jagielski erzielt.
Damit war Werder auch erstmals im Europapokal der Pokalsieger vertreten,
schied aber in der dritten Runde gegen Atletico Madrid aus.

Als der DFB am 28. Juli 1962 die Einführung der Bundesliga beschloss,
bedeutete das den Abschied von der Idee, erstklassiger, international
konkurrenzfähiger Fußball sei auch mit Amateuren zu bewerkstelligen.
Alles davor, auch der "Vertragsspieler" der Oberligazeit, waren
Kompromisse und spätestens seit der Mitte der 1920er Jahre überholt.
Aber jeder Versuch seit 1930, den Profi zuzulassen, war an den
Besonderheiten der deutschen Geschichte - in Sport und Politik -
gescheitert.
Und auch jetzt noch gab es für die ersten Bundesligaprofis
Einschränkungen: Sie waren "Lizenzspieler" mit einem Höchstverdienst von
1.200 DM und die Ablösesummen waren auch begrenzt.
Und wo stand Werder in der neuen Liga? Die erste Saison beendete Werder,
der "ewige Zweite" der Oberliga Nord, als zehnter von sechzehn Vereinen,
mit einer Mannschaft, die gegenüber dem Oberligaaufgebot nur wenig
verändert war. Als aber 1964 Horst-Dieter Höttges, Helmut Steinmann und
Klaus Matischak dazukamen, gelang gleich darauf die Sensation: Werder
war nach dem 1. FC Köln der zweite Meister in der Geschichte der
Bundesliga!
Aber der Meistertrainer, Willi Multhaup, ging nach Dortmund und mit ihm
der Erfolg. Unter seinem Nachfolger, Günter Brocker, rutschte Werder zu
Beginn der Saison 1967/68 auf den sechzehnten Platz ab.
Brocker musste gehen, und mit seinem Nachfolger Fritz Langner gelang
1968 gleich wieder ein Spitzenplatz, nämlich die Vizemeisterschaft.
Trotzdem: Die nächsten Jahre ging es immer weiter abwärts, bald sogar
gegen den Abstieg. Als Fritz Langner aus gesundheitlichen Gründen Werder
verließ, sorgte eine Mischung aus verpassten Chancen, Pech und
Ungeschick für wenig Positives.
Viele Trainerwechsel, oft unter dem Druck, ganz schnell einen
"Feuerwehrmann" zu finden, brachten mal mehr, mal weniger Erfolg. Auch
unter den neuen Spielern war oft nicht die Verstärkung, die Werder hätte
gebrauchen können. Dabei riskierte Werder zu Beginn der Saison 1971/72
auch finanziell einiges: Wie zu Beginn der 1930er Jahre ging Werder auf
Großeinkauf und versorgte sich dort, wo der erfolgreichste Fußball
gespielt wurde: Das war jetzt in Mönchengladbach.
Bis auf Günter Netzer kam der größte Teil des Mönchengladbacher Sturms
nach Bremen, dazu weitere vielversprechende Talente. Jetzt hieß Werders
Elf nicht mehr "Texas-Elf", sondern die "Millionarios". Aus den vielen
Stars wurde aber keine überragende Mannschaft. Es reichte nur für Platz
elf.
Mitte der 1970er Jahre ging es Saison für Saison nur noch gegen den
Abstieg, es drohte sogar der Verlust der Bundesliga-Lizenz. Er konnte
nur durch die Bremer Zusage, das Weser-Stadion weiter auszubauen,
verhindert werden.
Dies waren auch die Jahren, in denen einige langjährige Erfolgsgaranten
aus der Mannschaft ausschieden: Pico Schütz, Günter Bernard und
"Eisenfuß" Horst-Dieter Höttges zum Beispiel.
So ging es über verschiedene Zwischenstationen immer weiter abwärts, bis
der SV "Werder" am Ende der Saison 1979/80 als Absteiger feststand und
in der Zweiten Bundesliga, Gruppe Nord spielen musste.

Einer der "Feuerwehrleute", die zur Mitte der 1970er Jahre den Abstieg
verhindern sollten, hieß Otto Rehhagel. Er war im Frühjahr 1976 für
kurze Zeit Werders Trainer und gleich ziemlich erfolgreich. Aber er
musste schon bald wieder gehen, weil er nur als Übergangslösung
eingeplant war.
Erst in der Zweitligasaison 1980/81 begann die im deutschen Fußball
beispiellose Ära Werder/Rehhagel - beispiellos wegen ihrer Dauer und
ihrer Erfolge. Auch im Frühjahr 1981 kam Otto Rehhagel eher zufällig zu
Werder, weil der bisherige Trainer Kuno Klötzer einen schweren
Autounfall hatte. Werder brauchte Ersatz, um den sofortigen
Wiederaufstieg in die Bundesliga nicht zu gefährden.
Der Wiederaufstieg gelang, außerdem kamen zur Saison 1982/83 einige
junge Spieler an die Weser, die einen großen Anteil an den Erfolgen der
folgenden Jahre bekommen sollten: Frank Neubarth, Rudi Völler und
Wolfgang Sidka.
So wurde in kürzester Zeit aus dem Wieder-Aufsteiger Werder Bremen der
Vizemeister der Saison 1982/83, und diese Saison endete da, wo in den
folgenden Jahren noch viele endeten: Auf dem Balkon des Bremer
Rathauses, zur Feier eines Titels, wenn es auch noch "nur" eine
Vizemeisterschaft war.
Mit dieser Platzierung gewann Werder eine weitere Bühne dazu: Neben dem
DFB-Pokal und der Bundesliga spielte Werder immer erfolgreicher auch im
internationalen Fußball mit.
Anfangs schied Werder häufig trotz gutem Spiel früh aus, aber dann kamen
Spiele, die als "Wunder von der Weser" heute regelrechten Kultstatus
haben. Das erste "Wunder" geschah im Rückspiel gegen Spartak Moskau.
Werder hatte das Hinspiel mit 1:4 verloren und die Moskauer kamen
natürlich als klare Favoriten nach Bremen. Aber sie lagen schnell mit
3:0 hinten, und nach 90 Minuten gab es wieder ein 1:4, jetzt aber für
Werder. Und in der Verlängerung wurde Spartak Moskau mit 6:2 aus dem
Wettbewerb katapultiert.
Ähnliche "Wunder von der Weser" konnte man gegen den DDR-Meister Dynamo
Berlin erleben, oder das 5:1 gegen den SSC Neapel mit Diego Maradona,
oder das 5:3 gegen den RSC Anderlecht...
Und im Jahre 1992 reichte es endlich auch zu einem Titel im
Internationalen Fußball: Werder holte am 6. Mai 1992 gegen den hoch
favorisierten AS Monaco den Europa-Pokal der Pokalsieger an die Weser.
Der heutige Sportdirektor Klaus Allofs und Wynton Rufer hatte die beiden
Tore zum 2:0-Sieg erzielt.
Aber die Basis für die internationalen Erfolge wurden in der Bundesliga
und im DFB-Pokal geschaffen. 1988 gelang die zweite Deutsche
Meisterschaft, nachdem 1986 nur der berühmte - verschossene! -
Kutzop-Elfmeter über Titel oder Vize-Titel entschieden hatte.
Im DFB-Pokal war Werder 1989, 1990 und 1991 im Finale, 1991 gelang der
Sieg im Elfmeterschießen gegen den 1. FC Köln, 1994 bezwang Werder im
Finale Rot-Weiß Essen. 1993 war Werder zum dritten Male Deutscher
Fußballmeister geworden, nach einem spannenden Zweikampf mit dem FC
Bayern München.
Diese Erfolgsbilanz macht verständlich: Den SV "Werder" ohne Rehhagel
konnte sich kaum jemand vorstellen. Und Otto Rehhagel war der einzige
Bundesligatrainer, dem ein unbefristeter Vertrag winkte. Trotzdem ist er
nach vierzehn Jahren an der Weser gegangen, am 10. Juni 1995 wurde er
verabschiedet.
Otto Rehhagels Abschied war nicht leicht, für Werder nicht - und für
Rehhagel selbst wohl auch nicht. Viele konnten nicht verstehen, warum er
ausgerechnet zum großen Konkurrenten nach München ging. Was Rune
Bratseth in einem Interview so kommentierte: "Ich wünsche Otto Rehhagel
viel Glück und dem SV ‚Werder', dass er immer vor den Bayern steht!"
Mit Aad de Mos wurde ein Nachfolger für Rehhagel verpflichtet, dessen
internationalen Ruf man vielleicht als Garantie für weitere Erfolge
werten konnte. Doch er war nicht lange in Bremen, auch sein Nachfolger
Dixie Dörner hatte wenig Erfolg. Sogar die Angst vor dem Abstieg war
plötzlich wieder im Weser-Stadion zu spüren. Erst mit Wolfgang Sidka kam
ein wenig Glanz der Rehhagel-Ära zurück: Vom Tabellenende weg brachte er
Werder in der Saison 1997/98 über den UI-Cup wieder zurück in den
UEFA-Cup.
Aber als die nächste Bundesligasaison so schlecht begann wie noch nie in
der Vereinsgeschichte, musste auch er gehen. Jetzt sollte Felix Magath,
der Trainer mit dem "Quälix"-Image des "harten Hundes", den Erfolg
endlich zurückbringen. Wieder folgten eher enttäuschende Ergebnisse -
und dies ausgerechnet im 100. Jahr der Vereinsgeschichte.
Mit Felix Magath hatte die Suche nach dem Rehhagel-Nachfolger aber noch
immer kein Ende. Der Erfolg blieb aus, und so wurde im Mai 1999 eine
Lösung aus dem eigenen Verein präsentiert, die ausdrücklich als Übergang
gedacht war: Thomas Schaaf, der als Spieler unter Otto Rehhagel alle
großen Erfolge miterlebt hatte, sollte bis zum 30. Juni 1999
Chef-Trainer sein, damit in Ruhe der richtige Trainer gesucht werden
konnte.
Mit ihm lief es plötzlich wieder: Am 12. Juni 1999 wurde Werder durch
ein 6:5 im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern München DFB-Pokalsieger
- wobei sich viele besonders gerne an den Elfmeter-Versuch von Stefan
Effenberg erinnern...

Mit dem Wechsel zu Thomas Schaaf war nicht nur ein neuer Trainer bei
Werder, sondern gleichzeitig wurde die gesamte Führungs- und
Entscheidungsstruktur des SV "Werder" verändert. Zur Kontinuität der
Rehhagel-Ära hatte eine noch längere im Präsidium des Vereins gehört:
Seit 1970 sind Dr. Franz Böhmert und Klaus-Dieter Fischer in der Führung
des SV "Werder" aktiv. Zusammen mit Manfred Müller und dem Manager Willi
Lemke hatten sie die größten Erfolge miterlebt und natürlich auch
mitgestaltet.
Auch das schien nun - nach Rehhagel - nicht mehr zu funktionieren, weil
zudem das wirtschaftliche Umfeld des SV "Werder" in Bremen kaum noch
Steigerungen in der Unterstützung zu bieten schien. Wie konnte man an
einem Standort wie Bremen noch mit den Großen der Bundesliga mithalten?
So wurde der SV "Werder" in seinen Entscheidungsstrukturen
"professionalisiert": Seit dem Juli 1999 gibt es einen Vorstand mit klar
definierten Zuständigkeiten. Unter dem Vorsitz von Jürgen L. Born, der
gleichzeitig die Finanzen überwacht, ist Klaus Allofs für den
Profifußball zuständig, Klaus-Dieter Fischer für die Amateurabteilungen
und den Bundesliganachwuchs und Manfred Müller für das Marketing. Über
allem wacht ein Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender Dr. Böhmert ist.
Vor allem die Aufgaben von Klaus Allofs und Manfred Müller zeigen eine
weitere, wichtige Veränderung: Es gibt bei Werder keinen
Allround-Manager mehr. Willi Lemke war der letzte Werder-Manager, bis er
in die Politik wechselte und nun in Bremen für die Bildung zuständig
ist.
Thomas Schaaf ist bis heute der Chef-Trainer des SV "Werder" geblieben,
aus der Übergangslösung ist ein anerkannter, erfolgreicher
Bundesliga-Trainer geworden. Denn der DFB-Pokal von 1999 war nicht der
einzige Erfolg mit ihm: Gleich in der folgenden Saison erreichte Werder
wieder das Finale, aber dieses Mal siegten die Bayern.
Und mit dem Ergebnis der Saison 2001/02, spielt Werder wieder im
UEFA-Cup, in dem im Frühjahr 2000 mit dem Viertelfinale das beste
Resultat seit langem erreicht worden war.
Wo steht der SV "Werder" heute, nach einer über 100jährigen
Vereinsgeschichte? Die Gegenwart ist geprägt vom Umbruch - mit
berechtigten Hoffnungen für die Zukunft: Die Vereinsführung wurde
professionalisiert, das Weser-Stadion wird ausgebaut und die
Bundesliga-Mannschaft ist so jung, wie keine andere.
Quelle. www.werder.de |
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